Junger DBSH München: Herausgelost ins Engagement

„Ich bin aus allem anderen herausgelost worden“ – der Satz, bei dem man förmlich beobachten kann, wie sich die Augen von Dozent_innen kurz einmal um den Globus drehen, bis sie einem wieder ins Gesicht sehen. Trotzdem fällt er, der gnadenlosen Ehrlichkeit der Studierenden geschuldet, in ausnahmslos jedem Seminar an unserer Katholischen Stiftungsfachhochschule in München. Auch Franziska Liegl musste sich diese magischen Worte nicht nur einmal anhören, als sie in unserem semesterübergreifenden Seminar 4.2 „Wir gründen eine DBSH-Hochschulgruppe“ nach der Teilnahmemotivation der 10 Studierenden fragte. Sehr vereinzelt tröstete ein „Mich hat das Seminar tatsächlich interessiert“ darüber hinweg. Auch ich gehörte eher zur „Es fehlt noch eine Note“-Fraktion und wusste deshalb so gar nicht, was mich erwarten würde. Sollte hier eine Gruppe zu Übungszwecken gegründet und anschließend wieder aufgelöst werden? War die Aktion die gemeinsam geplant werden sollte eine reale oder würde es sie nur auf dem Papier geben? Und was genau ist jetzt dieser DBSH?

In besagter erster Veranstaltung am 17.10. herrschte nach außen hin eine trotzige Stimmung, in den Studentinnen reinste Verwirrung. Sophie Gilg, Amelie Nawrath, Antonie Kratzmair, Rebecca Wagner, Carmen Kleinhenz, Ilona Staudigl, Andrea Stoiber und ich sollten selbst entscheiden, was wir machen. Von Anfang an. Werkstattseminar. Da ist man als systemhörige Studentin erstmal in all den Grundsätzen erschüttert, die man eigentlich selbst seit Jahren bekämpft – keine Autoritätsperson, keine Erwartungen anhand derer man Konkurrenz und nötige Ressourcen abstecken kann! Bei Verlassen der Veranstaltung fühlte ich mich irgendwie betrogen. Es waren zwar ein paar Fragen geklärt worden (unter anderem durch einen kurzen Besuch und Vortrag von Matthias Kachel, den Sprecher der im Mai gegründeten Hochschulgruppe). Mindestens so viele neue kamen dadurch aber auch auf. Spontan hatten ich und meine Kommilitonin Rebecca Wagner in den letzten Minuten des Seminars die Moderation ergriffen und versucht, zumindest einen Plan für das nächste Mal mit allen zu erörtern. Peinlich berührte Ratlosigkeit ist schließlich nicht öfter als einmal drei Stunden lang aushaltbar.

Dass die Verwirrung normal und vielleicht sogar geplant war, zur Gruppendynamik gehört und Franziska es sich weder besonders einfach noch einen Spaß aus uns machte, erfuhr ich am Abend darauf. Da traf sich der bereits bestehende Teil der Hochschulgruppe München des Jungen DBSH und ich war neugierig genug, um teilzunehmen. Endlich konnte ich meine dreistellige Anzahl an Fragen an Franziska loswerden, und siehe da, es wurde alles sehr viel klarer. Die Quintessenz war etwas, das mir sehr gefiel: Gestaltungsfreiheit. Moderationen selbst einteilen, Tagesordnungen mitbestimmen, diskutieren, eigene Vorschläge einbringen. Das erinnerte mich an die Praxis, und Praxisnähe ist bekanntlich immer gut. Spätestens gegen Ende des Treffens war ich hochmotiviert und gelobte mir selbst, ab jetzt jeder Veranstaltung beizuwohnen. Rebecca und ich begannen die Tagesordnung des nächsten Seminarnachmittags mit einer Fragerunde an Franziska, bei der endlich alle Studentinnen die Gelegenheit zu einer Klärung hatten. Obwohl die Teilnehmerinnenzahl fluktuierte, waren es am Ende acht tatkräftige Studentinnen, mit denen sich das Konzept für eine Ausstellung und die vorangehende Postkartenaktion sehr gut planen ließen. Franziska brachte sich währenddessen als Expertin ein, die Fragen beantwortete und vielen Ideen den letzten Schliff verlieh. Außerhalb des Seminars vernetzten sich zusätzlich alle Mitglieder der bestehenden Hochschulgruppe mit den Seminarteilnehmerinnen, Nadja Khan, die Sprecherin des Jungen DBSH in Bayern, stellte sich als zusätzliche Ansprechpartnerin vor und aus den zwei separaten Gruppen wurde eine.

Im Dezember war es soweit: unsere selbstentworfenen Postkarten wurden inklusive Info über die geplante Ausstellung gedruckt und in der gesamten Hochschule verteilt. Zusätzlich wurden alle verfügbaren Social-Media-Kanäle und die bewährte Mundpropaganda genutzt. Als Zusatzmotivation für Student_innen und Lehrbeauftragte wurde außerdem für den 12. Januar ein Glühweinausschank in den Räumlichkeiten der Ausstellung organisiert. Vier Gruppen à zwei Studentinnen bearbeiteten je ein Thema und so konnten bereits in den ersten Januartagen die Plakatentwürfe zu den Themen TVöD, DBSH, Studium Soziale Arbeit und ethische Standards in den Druck gegeben werden.

Das Ergebnis waren sehr ansprechende und professionelle Plakate, die zum Lesen einluden. Die Ausstellung konnte am neunten Januar durch die Mithilfe aller schnell auf die Beine gestellt werden und wurde am 12. Januar nochmals um eine Woche verlängert. Wir freuen uns sehr über die Diskussionsbeiträge, Vorschläge und Fragen, die uns seitdem erreicht haben. Es wurden im Zuge der Ausstellung viele Mitgliedsanträge ausgefüllt und abgegeben – auch von mir, da ich inzwischen trotz der anfänglichen Zweifel den Jungen DBSH keinesfalls mehr missen möchte.

Marie-Louise Gabriel für die Ortsgruppe München

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